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Styrodur-Terrarium Eigenbau

In diesem Beitrag berichte ich euch, wie ich aus Styrodur ein Terrarium für meine Rübenschwanz-Vyperngeckos gebaut habe und welches Material Ihr für ein Wüstenterrarium dieser Bauart benötigt.

Das Material

Folgende Materialien werden für ein Terrarium mit den Außenmaßen 40x120x65cm (HxBxT) benötigt:

  • 4 Styrodur-Platten mind. 65x120cm
  • 2 Glas- oder Plexiglasplatten 40x65cm
  • Holzplatte, z.B. OSB 35x115cm
  • Metall Fliegengitter je nach geplanter Belüftungsfläche (Auflage beachten)
  • ca. 3,4m E-Profil ( Für oben ca.120cm tiefes (oberes) Profil, der Rest kann flacher sein)
  • Fliesenkleber, am Besten Flex-Fliesenkleber
  • Abtönfarbe
  • Wasserfester Holzleim, z.B. Ponal Wasserfest 
  • Aquarium-Silikon
  • Zahnstocher

Das Werkzeug

Folgendes Werkzeug wird benötigt:

  • Styropor-Schneider mit unterschiedlichen Aufsätzen
  • scharfes Messer oder Cutter
  • Mehrere grobe Malerpinsel
  • 2-3 Bürstenpinsel (günstige,da diese danach ruiniert sind)
  • Schüssel oder Eimer zum Anrühren des Fliesenklebers
  • Zange zum Schneiden des Fliegengitters
  • Zeitungspapier o.ä. zum Abdecken der Arbeitsflächen.

 

Material zuschneiden

Zunächst werden die einzelnen Stücke entsprechend der Abbildung zugeschnitten. Die Bodenplatte hat die Maße 40x120cm.

 

Die Einschnitte in den Seitenteilen dienen der besseren Stabilität der Frontteile.

 

Ich habe für den Bau Styrodur in Form von Dämmplatten verwendet, die an 2 Seiten Einschnitte haben, um die Platten in einanderschieben zu können. Ich habe also beim Zuschneidem darauf geachtet diese Einschnitte so zu nutzen, dass am Ende automatisch eine Auflagefläche für den Holzdeckel entsteht und auch das E-Profil vorne unten bereits hinter dem Frontstreifen verborgen ist.

 

An allen anderen Kanten, an denen später das E-Profil angebracht werden soll, sollten hier Vertiefungen geschnitten werden, in denen das E-Profil versenkt werden kann. Hierzu habe ich den Stabaufsatz des Styroporschneiders verwendet, hatte aber das Problem, dass die Klebeflächen hierdurch nicht glatt geworden sind und ich somit tiefer schneiden musste.

 

Ich habe zum Zuschneiden einen sehr günstigen Styroporschneider mit unterschiedlichen Aufsätzen benutzt. Wenn es um den Grundschnitt geht, hat sich der Drahtaufsatz bewährt. Ich rate jedoch eher ein paar Euro mehr auszugeben, da bei meinem Billig-Schneider mehrfach der Draht gerissen ist.

 

Der Raum, in dem geschnitten wird, sollte gut belüftet sein, da der Styroporschneider das Material schmilzt und dabei sehr unangenehme Dämpfe enststehen.

 

Umso gerader die Schnittkanten sind, umso weniger Hohlräume entstehen, die beim späteren Verkleben und Beschichten abgedichtet werden müssen.

 

Wenn ein bisschen Material übrig ist, macht es durchaus Sinn erstmal an einem nicht benötigten Teil den Umgang mit dem Schneider etwas zu üben.

Details und Belüftung einarbeiten

Als nächsten können in die einzelnen Teile Details eingearbeitet werden. Hierbei sollte an den Stellen an denen die Teile später zusammengesetzt das Motiv ausgesetzt werden, damit hier weiterhin glatte Klebeflächen bestehen.

 

In meinem Fall wollte ich ein Terrarium in Backstein-Optik. Hierzu habe ich auf allen später sichtbaren Flächen zunächst Reihen von ca. 8 cm Horizontal eingezeichnet. Im Anschluss dann versetzt zu einander diese Reihen alle 10 cm wieder zu Rechtecken geschlossen. Damit hier nun auch Steinoptik entsteht.

 

Diese Linien dienten als optische Orientierung für das dann freihändige Auschneiden der Backstein-Mauer. Hierfür habe ich den groben Schnitt mit einem Cutter gemacht und danach die Kanten mit dem Styropor-Schneider nachgearbeitet wo es nötig war.

 

Wenn hier geplante Hohlräume oder Spalten entstehen sollen, in denen sich die Tiere später verstecken können, sollten mindestens 5 mm mehr an jeder Kante ausgeschnitten werden, als benötigt, da später noch mehrere Schichten Fliesenkleber aufgetragen werden un die Abstände dann nicht nicht nur schlecht zu versiegeln sind, sondern dann auch für die Tiere zu klein werden.

 

Für die Belüftung sollten im unteren Frontstreifen Belüftungsschlitze ausgeschnitten werden. Ich habe unregelmäßige Auschnitte gemacht, passend zur Maueroptik und habe diese 5 cm oberhalb des Terrariumbodens platziert, damit ich genug Platz für Bodengrund habe.

 

Es sollten ausreichend große Flächen ausgeschnitten werden, damit später eine gute Belüftung sichergestellt ist, aber nicht so viel, dass die gesamte Wärme entweicht.

Korpus zusammensetzen

Beim Zusammensetzen der Teile dienen die Zahnstocher als Stabilisierungshilfen. Die folgende Reihenfolge wird hierbei dringend empfohlen, damit die Teile auch problemlos mit diesen stabilisiert werden können.

 

 

Teil 1 zunächst auf beiden Seiten wie abgebildet locker mit Zahnstochern an den Teilen A+B befestigen. Hierbei genug Luft lassen, damit die Flächen noch mit Silikon geklebt werden können.

 

Teil 2 im Anschluss Auf beiden Seiten wie abgebildet mit Zahnstochern ebenfalls an den Teilen A+B sichern.

 

Nun alle Klebeflächen großzügig mit Silikon bestreichen und die Teile mit vorsichtigem Druck aneinander pressen.

 

Überschüssiges Silikon über die Kanten verstreichen, um die Kanten zu versiegeln.

Nun Teile A+B wie abgebildet an Teil C zunächst mit Zahnstochern sichern.

 

Im Anschluss auch hier alle Klebeflächen großzügig mit Silikon bestreichen.

 

Aufgrund der Größe und um einen Bruch der schmalen Frontteile zuverhindern, ist es ratsam sich hier jemanden zur Unterstützung zu holen, damit beide Seiten gleichzeitig geklebt und angedrückt werden können.

 

Überschüssiges Silikon über die Kanten verstreichen, um die Kanten zu versiegeln.

Nun wird der Korpus umgedreht, damit die Unterseite der Teile A+B+C mit Zahnstochern gesichert werden können.

 

Beim Zusammensetzen dieser Teile mit dem Terrariumboden muss besonders auf eine korrekte Platzierung geachtet werden, damit die Kanten des Terrariums am Ende auch gerade sind und nicht nochmal nachgeschnitten werden müssen.

 

Alternativ kannman die Bodenplatte auch größer als benötigt lassen und erst nach dem Zusammensetzen mit den restilichen Teilen entsprechend zu schneiden.

 

Die Klebeflächen mit Silikon bestreichen und die Teile vorsichtig gut zusammen drücken. Hierbei überschüssiges Silikon wieder über die Kanten verstreichen, um diese zu versiegeln.

 

E-Profile einsetzen

Nun werden die E-Profile zugeschnitten und die Auschnitte für die Profile ggf. nochmal nachgearbeitet.

 

Ideal ist es die Ecken der Profile hier im 45° Winkel zuzuschneiden, damit diese am Ende einen geschlossenen 90° Winkel bilden.

 

Ich hatte dies nicht beachtet und auch die seitlichen Profile nicht lang genug gelassen, weshalb ich einige Probleme mit entkommenen Heimchen hatte.

 

Zum Einpassen der Profile, also um herauszufinden, ob das oberste Profil ausreichend tief versenkt ist, unbedingt die Frontscheiben zur Hilfe nehmen.

 

Die Scheiben sollen herausnehmbar bleiben, um das Terrarium einfacher neu dekorieren zu können. Deshalb sollte der Abstand der oberen und unteren Schiene so gewählt sein, dass das obere Profil nur soweit über die Scheibe ragt, wie sich das Styrodur ohne Beschädigung biegen lässt. 5mm sind hier mehr als ausreichend.

 

Die Profile können nun auch mit Silikon festgeklebt werden. Hierbei vorsichtig dosieren. Es soll halten, aber am Ende nicht mehr als gewünscht aus den vorbereiteten Vertiefungen herausragen.

 

Im Anschluss alle Hohlräume zwischen Profil und Styrodur mit Silikon versiegeln, damit sich hier keine Futtertiere verstecken können.

 

Sobald das Silikon vollständig getrocknet ist, emfiehlt es sich die Rillen der Profile mit Papier oder Klebeband abzudecken, damit beim Auftragen des Fliesenklebers diese freibleiben.

 

Lüftungsgitter anbringen

Aus dem Fliegengitter werden nun Stücke geschnitten, die an jeder Kante mindestens 5mm größer sind als die Belüftungsschlitze in der Front.

 

Die Stücke lieber etwas größer schneiden, aber darauf achten, dass sich das Gitter nicht wölbt oder verbogen wird, da dies das ankleben erschwert.

 

Im Anschluss auf der Innenseite des Terrariums Silikon rund um die Belüftungsgitter auftragen und das Gitter dort hineindrücken. Das Silikon sollte sich hierbei in das Gitter hineindrücken und dieses festkleben. Es kann einige Minuten dauern, bis die Gitter fest sind.

Details prüfen / Anpassungen vornehmen

Nun geht es an die Detail-Arbeit.

 

Je nach gewünschter Einrichtung, können nun alle Flächen gestaltet werden, die später fest im Terrarium verbaut sein sollen.

 

Ich habe hier lediglich einige Liegeflächen hinzugefügt und einen 'Stein' ausgehöhlt, damit hier später eine kleine Höhle entsteht.

 

Ebenfalls sollten nun alle noch existierenden Hohlräume mit Silikon nachgearbeitet werden und alle nicht ganz passenden Kanten nochmal nachgeschnitten werden.

 

Abschließend sollte nun nochmal geprüft werden, ob alle gewünschten Verzierungen vorbereitet wurden.

 

Falls später Thermometer mit Temperaturfühlern benutzt werden sollen, kann hier eine Vertiefung am oberen Rand für das Kabel des Temperaturfühlers eingearbeitet werden.

Fliesenkleber aufbringen

Der Fliesenkleber wird einfach mit Wasser angemischt. Es ist angenehmer immer nur soviel anzumischen, wie man gut verarbeiten kann, da die Masse schnell fest und trocken wird.

 

Die Konsistenz sollte leicht breiig sein, damit der Fließenkleber mit einem großen Pinsel gleichmäßig dünn auf dem Styrodur verteilt werden kann.

 

Es werden mehrere Lagen (mindestens 3 ) aufgebracht und zwischen jeder Lage sollte mindestens 24 Stunden gewartet werden, damit die Schicht restlos durchtrocknen kann.

 

Der Fliesenkleber dient dazu zu verhindern, dass sich Futtertiere ins Styrodur fressen können. Es muss darauf geachtet werden, dass alle Ritzen und Ecken gut abgedeckt und abgedichtet sind.

Außerdem entsteht hierdurch eine rauhe Struktur an der sich die späteren Bewohner gut festhalten können.

 

Die Lüftungsgitter sollten hierbei bis zur tatsächlichen Öffnung mit Fließenkleber bedeckt werden.

 

Es sollten mindestens alle Innenflächen so bearbeitet werden. Wenn das Terrarium auch dekorativ aussehen soll, bietet es sich an auch die Außenwände entsprechend zu behandeln. Hier müssen es aber nicht unbedingt genauso viele Schichten sein, wie im Innenraum.

Farbe aufbringen

Das Bemalen des Terrarium dient rein der Dekoration und kann nach eigenem Belieben erfolgen.

 

Normale Abtönfarben haben sich bei mir bewährt.

 

Um möglichst realistische Effekte hinzubekommen, habe ich unterschiedliche Brush und Wash-methoden angewandt, die ich im Folgenden kurz beschreibe.

 

1. Grundfarbe aufbringen.

Der Grundton sollte etwas heller sein, als das Endergebnis gewünscht ist, da durch das spätere Washing sich auch der Grundton nochmals verdunkelt.

Die Grundfarbe sollte hier deckend und gründlich aufgetragen werden.

 

2. Washing

Nun wird eine dunklere Farbe stark mit Wasser verdünnt und großzügig über der Grundfarbe aufgetragen. Idealerweise sollte die zu bemalende Fläche senkrecht stehen, damit die überschüssige Farbe ablaufen kann. Ich habe das Terarrium hierzu auf den Kopfgestellt.

Im Anschluss muss alles vollständig durchtrocknen. Dies kann durchaus wieder bis zu 24 Stunden dauern.

 

3. Dry Brush

Das Brushing erfolgt nun mit einem hellen Ton und einem möglichst trockenen Billig-Pinsel. Die Wahrscheinlichkeit, dass hierbei der Pinsel zerstört wird, ist recht hoch.

Mit dem fast trockenen Pinsel wird nun über alle Erhebungen 'gebürstet'. Hierduch bleibt die helle Farbe nur an exponierten Stellen haften und sorgt für einen Beleuchtungseffekt.

Versiegeln

Sobald die Farbe vollständig getrocknet ist, geht es ans Versiegeln.

 

Dieser Schritt soll die Oberfläche unanfällig für Feuchtigkeit machen und verhindern, dass sich die Farbe mit der Zeit ablöst.

 

Den Holzleim soweit verdünnen, dass er mit einem Pinsel dünn aufgetragen werden kann. Es ist besser hier mit mehreren dünnen Schichten zu arbeiten und diese durchtrocknen zu lassen, da sich sonst ggf. weiße Nasen bilden, die auch später noch weiß bleiben.

 

Hier muss sehr gründlich gearbeitet werden, da jede Stelle, die nicht versiegelt wurde, potenziell die Langlebigkeit des Terrariums beeinträchtigt

Deckel fertig stellen

Da die Dicke des aufgebrachten Fliesenklebers die Größe des Ausschnitts für den Deckel beeinflussen kann, macht es Sinn die Maße hier nochmals zu prüfen.

 

Zwischen dem Rand der Auflagefläche und der Holzplatte sollten etwa wieder 3-5mm Platz an jeder Seite sein, da die Holzplatte nach dem Zuschnitt ebenfalls mit Fliesenkleber benhandelt wird.

 

In den Deckel müssen gleichmäßig verteilt Öffnungen für die Belüftung ausgeschnitten werden, sowie ggf. Bohrungen für die spätere Beleuchtung.

 

Da ich nicht wirklich gut darin bin Holz zu schneiden und nicht das Werkzeug dafür habe, ließ ich mir den Deckel fertig zu schneiden.

Mein lokaler Holzlieferant Holz Müller war hierbei eine sehr große Hilfe und hat wunderbare Arbeit geleistet.

 

Die Lüftungsschlitze werden wie zuvor mit Fliegengitter überklebt. Ich habe hier das Gitter außen aufgelegt, aber das ist Sache des Geschmacks.

 

Anschließend wird auch hier Fließenkleber auf allen Flächen angebracht und der Deckel mit Leim versiegelt.

 

Falls nicht geplant ist den Deckel abnehmen zu können, kann dieser auch mit Fliesenkleber am Korpus befestigt werden. Ich würde allerdings empfehlen ihn abnehmbar zu lassen, sofern die späteren Bewohner nicht stark genug sind, um den Deckel anzuheben.

 

Beleuchtung und ggf. nötige Schutzgitter oder Deko-Elemente können nun angebracht werden, bevor der Deckel auf den Korpus aufgesetzt wird.

 

Ich habe hier die Auflageflächen jeweils nochmal glatt geschliffen, bevor ich diese versiegelt habe, damit hier durch die rauhen Oberflächen keine Hohlräume entstehen.

Letzte Handgriffe

Nun erfolgt die Inneneinrichtung. Je nach geplanten Bewohnern sieht dies hier anders aus.

 

Da Rübenschwanz-Vyperngeckos vornehmlich Steppenbewohner sind, habe ich hier hauptsächlich mit trockenen Hölzern und grabfähigem Sand gearbeitet. Außerdem habe ich einige Aloe in kleinen Platztöpfen hineingestellt.

 

Erst wenn die Dekoration fertig ist sollten die Scheiben eingesetzt werden. Hierzu den Deckel am Besten vorher entfernen und die obere Frontleiste behutsam etwas nach oben drücken.

Eine Scheibe wird in die vordere Rille gesetzt, eine in die hintere. Das Einsetzen ist mittig einfacher, da sich hier die Leiste am Meisten biegen lässt. Da das obere Profil i.d.R. tiefer ist, die Scheibe erst oben einschieben und dann unten einhängen.

 

Falls kleine Futtertiere wie Heimchen verfüttern werden, sollte zwischen den Scheiben noch eine Dichtung angebracht werden, damit durch die Spalte keine Futtertiere entkommen können.

 

Bei Bedarf können jetzt noch Griffe an den Scheiben befestigt werden.

 

Meine Griffe waren mit Sekundenkleber auf die Acrylglasplatten geklebt und haben sich beide inzwischen wieder gelöst. Ich vermute hier ist die verwendung von Silikon ebenfalls empfehlenswert und langlebiger.

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