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Depressionen - Damals... (Teil 1)

Depressionen sind immer ein heikles Thema. Menschen, die nicht unter ihnen leiden können oft nicht nachvollziehen wie es ist. Manchen ist vielleicht auch nicht klar, dass sie das Gefühl durchaus kennen ohne zu wissen was es genau ist. Wie man es auch dreht und wendet. Das Thema Depressionen ist immer sehr persönlich.

Was haben Depressionen mit Drachengarn zu tun?

Ich spiele jetzt schon lange mit dem Gedanken einen Artikel darüber zu schreiben, wie ich zu den Handarbeiten gekommen bin und zu der Idee einen Blog daraus zu machen.

 

Was mich bisher immer wieder davon abgehalten hat, ist der Punkt, dass ich unsicher bin ob soviel persönliches in einen Handarbeitsblog gehört.

Aber vielleicht gelingt es mir ja in diesem Beitrag die Balance zu finden zwischen fachlichem Beitrag und persönlichem Seelenstrip. Mit etwas Glück macht es vielleicht dem einen oder anderen auch Mut und die Erkenntnis, dass man nicht alleine ist.

Motivation

Mein Burnout war der Grund aus dem Ich mit den Handarbeiten angefangen habe. Die Geschichte, die zu diesem Burnout geführt hat ist lang und wird von mir hier nicht näher ausgeführt. Der für die Entstehung des Blogs entscheidende Punkt ist, dass ich einen langen Aufenthalt in einer teilstationären psychosomatischen Klinik und einen missglückten Wiedereingliederungsversuch hinter mir hatte. Ich hatte immer noch 1x die Woche Therapie und meine vorherige Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen gekündigt. Ich wusste nicht wohin mit mir.

Der Weg

Hobbys hatte ich auch da schon ausreichend, aber keines das es geschafft hätte mehr zu erreichen, als mich mal kurz abzulenken. Vor und während der Klinik hatte ich schon angefangen zu zeichnen.

 

Die Idee einen Web-Comic aus diesen Zeichnungen zu machen war irgendwann in dieser Zeit entstanden. Mein damaliger Gedanke war noch gewesen einen Blog über das Thema Depression zu machen.

Einen Blog der meine Monster beschreiben sollte. Die Idee starb allerdings schnell wieder. Ich mag meine Zeichnungen nicht wirklich. Als ich mir nähere Gedanken darüber machte, wie ich den Blog umsetzten möchte fiel mir zu dem noch auf, dass ich für solch einen Blog nicht mehr exhibitionistisch war. Es war mir unangenehm so viel von mir in die Öffentlichkeit zu stellen.

Die Anfänge

Ich fiel in ein Loch. Fast schon verzweifelt war ich auf der Suche nach irgendetwas das ich tun konnte, das mir hilft den ewigen Kreislauf meiner Gedanken zu lenken und diese innere Anspannung zu lösen. Ich war auf der Suche nach etwas, das mich nicht nur beschäftigt hielt, sondern in dem ich auch mal wieder gut sein konnte – durch das ich mir selbst Bestätigung geben konnte. Eigentlich war ich auf der Suche nach meinem Selbstbewusstsein. Ein Strickset vom Aldi und die Handarbeitskiste meiner Schwieger-Oma gaben mir hier den ersten Impuls in die richtige Richtung.

Mein Kampf mit dem Stricken

Ich konnte mich kaum noch erinnern wie Stricken funktionierte. Meine eigene Oma hatte mir als ich noch klein war mal gezeigt wie man strickt, aber ich hatte eigentlich alles außer dem Maschenanschlag vergessen. Ich setzte mich also hin, googlete mir rechte und linke Maschen und fing (wie wahrscheinlich jeder es tut) mit Schals an. Der erste war schrecklich. Ich hatte die Muster noch nicht kapiert und wusste nicht wie ich erkennen konnte, ob die Reihe vorher nun rechte oder linke Maschen hatten. Aber mein Lebensgefährte mochte die Farbe, also legte ich gleich mit einem zweiten los und schaffte es tatsächlich glatt rechts zu stricken. Er trägt den Schal heute noch, worauf ich schon so ein bisschen stolz bin.

Schals sind nicht genug

Ich spare es mir diesmal auf meine Probleme mit dem Stricken näher einzugehen. Es war ein Schritt in die richtige Richtung, aber mir fehlte noch die richtige Motivation, der kreative Funke war einfach nicht da. Die Suche ging also weiter. Während ich im Internet nach anspruchsvolleren Mustern oder Anleitungen suchte, die mich vielleicht mehr begeistern würden, stolperte ich über das Thema Amigurumi. Als ehemalige Teamleiterin eines Comicladens in Frankfurt war mir der Begriff nicht gänzlich neu und ich wusste immerhin, dass es ich um einen aktuellen Trend handelte. Ich suchte mir die Grundmaschen raus und fing einfach an darauf los zu häkeln.

Maßlosigkeit

Mein erste Häkeltier war eine potthässliche Maus. Aber ich hatte endlich etwas gefunden, dass mich halten konnte. Ich fand es so super kleine Tierchen zu häkeln, dass ich über Wochen nicht mehr aufhörte und zum Teil 8-10 Stunden täglich nur am Häkeln war. Erst als mein Mittelfinger so aufgescheuert war, dass er ständig wehtat und blutete, legte ich dann doch mal wieder eine Pause ein.

 

Im Endeffekt war es zu diesem Zeit dann doch nur eine Art Ersatz für mich. Eine neue Variante den inneren Druck nach außen zu projizieren. Als mir das klar wurde funktionierte es auch nicht mehr. Ich musste eine Pause einlegen, nicht nur damit meine Finger die Möglichkeit hatten wieder zu heilen, sondern auch um zu schauen wo ich überhaupt hin wollte.

Drachen aus Garn

Nach meiner Pause fing ich an eigene Sachen zu machen. Ich probierte so lange herum, bis ich dann schließlich meinen ersten Drachen hatte. Dieser erste Drache kam super gut an und das gab mir wieder eine neue Richtung. Ich wurde nach der Anleitung gefragt, aber auch nach den Drachen selbst. Im Grunde war das der erste Anstoß für den Blog, den ich dann irgendwann während einer durchwachten Nacht dann auch in seiner ersten Version zusammenschusterte. Aber wie es mit Depressionen so ist, reichte dieser erste Funken nicht.

 

Es dauerte 2 Jahre bevor ich es tatsächlich geschafft habe den Blog aufzubauen. In diesen zwei Jahren hatte ich einen neuen Arbeitsplatz gefunden, erstmal Teilzeit. Seit wenigen Monaten arbeite ich wieder Vollzeit. Soviel zur Geschichte des Blogs und warum Depressionen meine Motivation zu Drachengarn waren. Mehr zum Thema und wie sich Depression und Handarbeiten heute vertragen, könnt Ihr nächste Woche lesen. ;)

 

Bis dahin...

...bleibt an der Nadel!

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