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Depressionen –...und heute (Teil 2)

In Teil 1 meiner kleinen Depressionen Mini-Serie, hatte ich euch erzählt, wie Depressionen zu diesem Blog geführt haben. Heute möchte ich mich darauf konzentrieren, wie die Handarbeiten mir geholfen haben und auch weiterhin helfen mit meiner Depression umzugehen.

Never Ending Story

Burnout ist heutzutage kein neues Thema. Man hört den Begriff überall. Viele hatten ihn schon andere glauben sie hätten einen und wieder andere sind mittendrin ohne es zu merken. Ich habe es auch nicht wirklich gemerkt, bis mein Körper beschlossen hatte sich gegen mich zu stellen. Aber im Grunde war der Burnout auch mehr ein Symptom als die tatsächliche Erkrankung.

 

Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass ich schon als Kind und Jugendliche unter Depressionen litt. Diese hatten vor Allem zur Folge, dass ich mich hinter Aufgaben und Masken versteckt habe. Ich habe funktioniert, war immer gutgelaunt und schon nervig extrovertiert. Der Zusammenbruch zwang mich runter zuschalten und mich mit mir selbst zu beschäftigen.

Erkenntnisse

Der schwerste Punkt am Anfang für mich war der zu akzeptieren, dass ich Hilfe brauchte, dass ich nicht mehr alleine aus diesem Loch herauskam und meine bisherigen Werkzeuge damit umzugehen nicht mehr funktionierten. Ich weiß nicht, ob dies der Punkt ist der auch für andere am schwersten ist. Ich bin kein Psychologe. Aber ich kann mir vorstellen, dass wenn man erst mal in diesem Alltag drin ist, man einfach nicht mehr in der Lage ist sich diesen Spiegel vorzuhalten. Gerne würde ich behaupten, dass es danach einfacher wurde, aber das stimmt leider nur zum Teil. Mein Leben ist heute ein anderes, und ich bin heute eine andere Person. Der zweite Zusammenbruch kam für mich an dem Punkt, an dem mir klar war, dass meine Depressionen wahrscheinlich niemals geheilt sein würden.

Das Monster

Die Erkenntnis unheilbar krank zu sein ist für niemanden leicht. Ich weiß nicht ob es einen Unterschied macht, ob es hier eine körperliche Krankheit ist, oder eine psychische. Die Krankheit wird niemals verschwinden, man kann sie niemals wirklich besiegen, man kann nur lernen damit umzugehen.

 

Die Angst genau das nicht zu schaffen wächst zu einem Monster heran, das unbezwingbar erscheint. Nicht nur bei meinen Comics zu dem Thema hatte ich hier ein Monster mit unzähligen Tentakeln vor Augen. Manchmal fühlte es für mich wirklich an, als würden sich Tentakel um meinen Hals legen und mir die Luft abschnüren.

Die Waffenkammer

In der Klinik versucht das Fachpersonal den Patienten einen 'Werkzeugkasten' in die imaginäre Hand zu geben. Es geht darum zu lernen wie man mit seinen Symptomen umgeht, aber auch darum Wege zu finden achtsamer zu werden. Auch ich habe also angefangen mir meinen eigenen Werkzeugkasten zuzulegen. Um bei dem Bild der Depression als Monster zu bleiben, nenne ich diesen Werkzeugkasten einfach mal meine persönliche Waffenkammer. Als ich mit dem Häkeln anfing wurden die Häkelnadeln meine Schwerter, Schilde und auch meine Rüstung.

Das Schloß in den Wolken

Durch den Zusammenbruch und den Klinikaufenthalt, aber auch durch die Tatsache, dass ich tatsächlich arbeitsunfähig war, war alles zusammengebrochen, was mich zuvor definiert hatte. Ich hatte keine alten Werkzeuge mehr, keine Schutzmechanismen mehr. Häkeln half mir all dies wieder aufzubauen. Die Beschäftigung selbst, half mir meine Gedanken zu ordnen, oder auch einfach mal auf geistigen Durchzug zu schalten. Die Bestätigung die ich durch all das positive Feedback empfand baute mein Selbstwertgefühl ganz langsam wieder auf. Fast wichtiger noch für mich war jedoch, dass mir die Sachen auch tatsächlich selbst gefielen. Ich bin nie hundertprozentig zufrieden, aber grundsätzlich fand ich meine Drachen toll und war zum ersten Mal in der Lage mir auch selbst Bestätigung zu geben. Der Blog war hier quasi nur noch der letzte Schritt.

...und heute?

Als ich noch Teilzeit gearbeitet habe, war das alles kein Problem. Ich hatte trotz Arbeit immer noch genug Zeit für Handarbeiten, meinen Partner und meine Haustiere. Inzwischen bekomme ich manchmal Zweifel. Mit Vollzeitjob sieht es einfach etwas anders aus und die Depressionen sind heute auch wieder viel präsenter als zu dem Zeitpunkt an dem ich angefangen hatte regelmäßig zu posten. Ich habe immer noch das Gefühl, dass mich die Handarbeiten entspannen. Vor Allem Lösungen für Probleme oder Projekte zu finden erfüllt mich immer noch und gibt mir eine Richtung. Aber gleichzeitig spüre ich den Druck immer mehr. Welche Auswirkungen das auf den Blog haben wird, werden wir noch sehen.

 

Letzte Woche habe ich ja bereits geschrieben, dass die Beiträge jetzt nicht mehr wöchentlich kommen werden. Aber wie oft meine Posts auch immer kommen.

 

Handarbeiten und auch dieser Blog haben mir eine Richtung gegeben. Sie helfen mir immer wieder mich gegen meine ganz eigenen Monster zu stellen. Und dafür bin ich dankbar. Handarbeiten sind inzwischen einfach ein Teil meines Lebens den ich nicht mehr missen möchte. Selbst wenn der Blog irgendwann wieder einschläft und niemals groß oder beliebt werden wird, werde ich weiter machen. Spätestens wenn ich in 30+ Jahren in Rente gehe, hab ich ja wieder Zeit für große Projekte :P Bis dahin... ...bleibt an der Nadel! PS: Ich bin dankbar für jeden von Euch, der mir auf diesem Weg folgt. Jedes Mal wenn ich das Gefühl hatte, dass der Blog eigentlich gar keinen Sinn macht, hat mir einer von Euch mitgeteilt wie gerne er oder sie meine Artikel liest. Ich gebt mir einen Grund und Kraft hier weiter zu machen <3

 

Bis dahin...

...bleibt an der Nadel!

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